Pflanzenwelt des Vollherbst

Taubnessel (Lamium spp.)

Taubnesseln gehören zu den Pflanzen, die kaum müde werden.
Während viele Kräuter im Herbst längst verblüht sind, zeigen Taubnesseln immer noch ihre zarten Lippenblüten – in Weiß oder Purpur. Sie sind ein Geschenk für Bienen, die spät im Jahr noch Nahrung brauchen.


Erkennungsmerkmale

Blätter

  • herzförmig

  • deutlich gekerbt

  • weich behaart

  • ähneln Brennnesselblättern → aber ohne Brennhaare („taub“!)

Blüten

  • Lippenblütler-typisch

  • Weiß oder purpur

  • erscheinen von Frühling bis Spätherbst

  • nektarreich

Wuchsform

  • buschig

  • 10–40 cm hoch

  • bildet kleine Teppiche


Herkunft & Verbreitung

In Europa heimisch.
Typisch an:

  • Wegrändern

  • Gärten

  • Ackerrändern

  • Wiesen

  • lichten Gebüschen

Begleiter unserer Kulturlandschaft.


Standort & Boden

  • halbschattig bis sonnig

  • nährstoffreich

  • frisch bis mäßig trocken

  • gern lockerer Gartenboden

Gärtnerwissen:
Taubnesseln können fast das ganze Jahr blühen – selbst leichte Froste stoppen sie kaum.


Ökologische Bedeutung

  • sehr wichtige Spättracht für Wildbienen

  • Nahrung für Hummeln (Lippenblüten sind ideal geformt)

  • Duftstoffe schrecken bestimmte Pflanzenfresser ab

  • Bodendecker gegen Erosion

Aha-Moment

Taubnesseln enthalten Gerbstoffe, die in Pflanzenstruktur und -schutz eine Rolle spielen.
Dein Körper nutzt ähnliche Moleküle, um Schleimhäute zu stärken und Entzündungen zu balancieren.
Pflanzenchemie im Gleichklang mit Körperchemie.


Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung

  • Gerbstoffe

  • Schleimstoffe

  • Flavonoide

  • ätherische Öle (gering)

Traditionell:

  • Tee

  • Wildkräutersalate (vor allem junge Triebe)

  • Auflagen (historisch)


Fun-Fact

  • Brennnessel-Look, aber völlig ohne Brennen

  • Taubnesseln blühen oft bis Dezember

  • Die purpurne Art erwärmt sich leicht durch Sonnenlicht – ein Trick für Kältenächte

Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)

Das Gänsefingerkraut begleitet den Herbst mit seinen silbrig schimmernden Blattunterseiten und seinen leuchtend gelben Blüten, die bis in den Spätherbst erscheinen können.
Es ist robust, schön und eines der unterschätzten Wildkräuter Europas.


Erkennungsmerkmale

Blätter

  • gefiedert

  • silbrig-filzig auf der Unterseite

  • längliche Fiederblättchen

  • liegen oft flach auf dem Boden

Blüten

  • leuchtend gelb

  • fünfzählig

  • erscheinen von Mai bis weit in den Herbst

Wuchsform

  • kriechend

  • bildet Ausläufer

  • 10–30 cm hoch


Herkunft & Verbreitung

In Europa heimisch.
Typisch für:

  • feuchte Wege

  • Gräben

  • Uferzonen

  • Weiden

  • Wiesen mit frischen Böden


Standort & Boden

  • sonnig

  • frisch bis feucht

  • nährstoffreich

  • liebt Magerweiden genauso wie feuchte Wiesen

Gärtnerwissen:
Die silbrige Blattunterseite reflektiert Licht – ideal für sonnige Standorte.


Ökologische Bedeutung

  • wichtige Bienenpflanze in Spätblüte

  • bildet kriechende Teppiche → Bodenschutz

  • bietet Deckung für Amphibien & Kleintiere

  • Wurzeln stabilisieren feuchte Böden

Aha-Moment

Die silbrige Filzschicht auf den Blätter dient als Verdunstungsschutz.
Auch deine Haut schützt sich mit Lipidschichten – Natur und Mensch setzen ähnliche Strategien gegen Trockenheit ein.


Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung

  • Gerbstoffe

  • Bitterstoffe

  • Flavonoide

  • Vitamin C

  • Mineralstoffe

Traditionell:

  • Tee

  • Wildkräutersalate (jung)

  • Auflagen (historisch)


Fun-Fact

  • Der Name „Gänsefingerkraut“ stammt von der Nutzung als Futter für Gänse

  • Es glänzt silbrig im Wind, fast wie kleine Spiegel

  • Kinder nutzen die Ausläufer gerne für Naturkränze

Weißdorn (Crataegus monogyna & C. laevigata)

Der Weißdorn ist einer der wichtigsten Herbststräucher.
Mit seinen roten Früchten, seinem dichten Geäst und seiner langen Kulturgeschichte ist er ein echtes Herzstück der europäischen Heckenlandschaft.


Erkennungsmerkmale

Blätter

  • gelappt

  • leuchtend grün → im Herbst gelb bis rot

  • kleine, wechselständige Blätter

Blüten (Frühjahr)

  • weiß, duftend

  • fünfzählig

  • in Doldentrauben

Früchte

  • rote, apfelartige Mini-Früchte

  • reifen ab September

  • bleiben oft bis Winter hängen

Wuchsform

  • dicht verzweigter Strauch

  • 2–6 m hoch

  • mit Dornen besetzt


Herkunft & Verbreitung

In Europa heimisch.
Typisch für:

  • Hecken

  • Feldraine

  • lichte Wälder

  • Gebüschlandschaften

  • alte Kulturlandschaften

Wurde seit dem Mittelalter als Heckenpflanze genutzt.


Standort & Boden

  • sonnig bis halbschattig

  • trocken bis frisch

  • nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich

  • sehr robust

  • liebt kalkhaltige Böden

Gärtnerwissen:
Weißdorn bildet dichte, undurchdringliche Hecken – ideal für Vögel und Kleintiere.


Ökologische Bedeutung

  • eine der wichtigsten Heckenpflanzen Europas

  • Früchte = Winterfutter für über 30 Vogelarten

  • dichte Struktur → ideales Brutgehölz

  • Dornen → Schutzraum

  • Blüten → Bienenweide im Frühjahr

Aha-Moment

Weißdorn enthält Flavonoide, die antioxidativ wirken – genau dieselbe Stoffgruppe unterstützt in deinem Körper Herz & Gefäße.
Eine perfekte Parallelbiochemie von Pflanzenherz und Menschenherz.


Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung

  • Flavonoide

  • Procyanidine

  • Gerbstoffe

  • Fruchtsäuren

Traditionell:

  • Tee

  • Herzwein

  • Früchte in Likören & Marmeladen

  • Heckenbau


Fun-Fact

  • Weißdorn galt früher als Schutzstrauch gegen „Böse Geister“

  • In Irland darf man alte Weißdorne nicht fällen – „Feenbäume“

  • Ein Paradies für Vögel: Amseln, Rotkehlchen & Gimpel lieben ihn

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