Pflanzenwelt des Frühsommers
Wiesenlabkraut (Galium mollugo)
Frühsommer – wenn die Wiesen weiß zu schäumen beginnen
Im Frühsommer verwandelt das Wiesenlabkraut Wegränder und Wiesen in zarte, weiße Blütenschäume.
Die luftigen Blütenstände wogen im Wind, duften mild und bringen eine Art stille Eleganz in die Landschaft – ein echter Frühsommerklassiker.
Erkennungsmerkmale
Blüten
sehr klein, weiß
vierzählig, sternförmig
in reich verzweigten, lockeren Rispen
wirken wie „Wiesenschaum“
Blätter
schmal, lanzettlich
in 6–8-blättrigen Quirlen angeordnet
weich und biegsam
Wuchsform
30–120 cm hoch
feine, biegsame Stängel
oft anlehnbedürftig – rankt durch andere Pflanzen
Herkunft & Verbreitung
In Europa heimisch.
Typisch für:
Fettwiesen
Wegränder
lichte Gebüsche
sonnige bis halbschattige Standorte
Ein klassisches Wiesenkraut alter Kulturlandschaften.
Standort & Boden
sonnig bis halbschattig
humos, nährstoffreich
frisch bis mäßig trocken
liebt kalkhaltige Böden
Gärtnerwissen:
Wo Labkraut wächst, ist der Boden meist gesund und nicht überstrapaziert.
Ökologische Bedeutung
wertvolle Nektarquelle für kleine Wildbienen
lockt Schwebfliegen und Falter
stabilisiert Wiesenstrukturen durch Rankgeflecht
idealer Lebensraum für Insekten im Blütendschungel
Aha-Moment
Die Pflanze enthält Kumarin-ähnliche Duftstoffe, die beim Verwelken süßlich riechen.
Du kennst diesen Duft aus Heu – das bedeutet:
Dein Gehirn speichert Jahreszeiten auch über Gerüche.
Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung
geringe Mengen Cumarin (erst beim Trocknen)
Flavonoide
Bitterstoffe
Verwendung:
Tee
Wiesenkräutersalate (jung!)
traditionell zum Aromatisieren von Quark & Käse
Fun-Fact
Früher nutzen Schäfer das Kraut zum Lab-Ersatz beim Käsen → daher der Name
Wiesen voller Labkraut zeigen an, dass das Gras „in der Fülle“ steht
Die Pflanze wirkt wie ein natürlicher Wiesenparfümeur
Wilder Dost (Origanum vulgare)
Frühsommer – das würzig warme Herz der Trockenwiesen
Wilder Dost – unser heimischer „Oregano“ – ist eine der aromatischsten Wildpflanzen des Frühsommers.
Er liebt Wärme, Trockenheit und kalkreiche Böden. Seine rosa Blüten sind ein Magnet für Insekten, sein Duft ein Geschenk für Küche und Sinne.
Erkennungsmerkmale
Blüten
rosa bis purpur
dicht stehende, kugelige Blütenstände
erscheinen von Juni bis August
stark duftend, aromatisch
Blätter
oval, leicht behaart
duften beim Zerreiben würzig
erinnern an mediterrane Kräuter (kein Zufall!)
Wuchsform
30–70 cm hoch
bildet lockere Horste
wächst in Gruppen auf warmen Standorten
Herkunft & Verbreitung
In Europa heimisch, besonders in:
Trockenwiesen
Magerrasen
Weinbergen
lichten Wäldern
kalkreichen Böden
Ein typisches Kraut sonniger Kulturlandschaften.
Standort & Boden
sonnig, warm
mager bis mäßig nährstoffreich
trocken bis frisch
kalkliebend
liebt Hanglagen
Gärtnerwissen:
Je sonniger und trockener der Standort, desto intensiver das Aroma.
Ökologische Bedeutung
eine der wichtigsten Nektarpflanzen des Frühsommers
zieht Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln massenhaft an
Lebensraum für seltene Wildbienenarten
fördert Insektenvielfalt wie kaum ein anderes Kraut
Aha-Moment
Die ätherischen Öle (v. a. Carvacrol & Thymol) gehören zu den Stoffgruppen, die Pflanzen vor Mikroben schützen.
Dein Körper nutzt ätherische Öle auf ähnliche Weise – sie wirken reizlindernd und stimulieren das Nervensystem.
Ein mediterraner Sommer im Nervensystem.
Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung
ätherische Öle (Carvacrol, Thymol)
Gerbstoffe
Bitterstoffe
Vitamin C-Spuren
Verwendung:
Gewürz (wie Oregano!)
Tee
Kräuteröl
Blüten als essbare Deko
Fun-Fact
Wilder Dost ist in Mitteleuropa streng genommen der „echte Oregano“
Er ist ein Faltermagnet – besonders für den Schwalbenschwanz
Je karger der Boden, desto intensiver das Aroma
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Frühsommer – wenn die Sonne im Kraut steht
Johanniskraut speichert den Frühsommer in jeder Faser:
Seine goldgelben Blüten scheinen zu leuchten, und sein magischer Bezug zum längsten Tag des Jahres macht es zu einer der symbolträchtigsten Pflanzen Europas.
Erkennungsmerkmale
Blüten
leuchtend gelb
mit zahlreichen Staubblättern
fünfzählig
bei Zerreiben rotfärbend (Hypericin!)
Blätter
oval, gegenständig
mit kleinen „Öldrüsen“ – erscheinen als helle Punkte
durchscheinend im Gegenlicht
Wuchsform
30–80 cm hoch
buschig verzweigt
wächst in Gruppen an sonnigen Stellen
Herkunft & Verbreitung
In Europa heimisch, verbreitet in:
Trockenrasen
Böschungen
Wegrändern
Heiden
lichten Wäldern
Seit Jahrtausenden als Sonnenkraut verehrt.
Standort & Boden
sonnig – sehr sonnig
trocken bis frisch
gerne kalkreich
nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich
Gärtnerwissen:
Johanniskraut liebt Böden, die von der Sommersonne durchwärmt werden.
Ökologische Bedeutung
wertvolle Bienen- und Schwebfliegenpflanze
spätere Samen wichtig für Vögel
Teil vieler Trockenrasen-Biotopgemeinschaften
Rückzugs- & Nahrungspflanze für Käferarten
Aha-Moment
Der rote Farbstoff Hypericin reagiert stark auf Licht – das ist eine pflanzliche Schutzstrategie.
Funfact: Auch deine Haut bildet Schutzpigmente (Melanin) unter Sonneneinstrahlung.
Pflanzen und Menschen haben ähnliche „Sonnenantworten“.
Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung
Hypericin (Farbstoff)
Hyperforin
Flavonoide
Gerbstoffe
ätherische Öle
Traditionell verwendet:
Johanniskrautöl (Rotöl)
Räucherwerk
Sonnwendrituale
(In der Volksheilkunde sehr bedeutsam – heute aber mit Vorsicht zu verwenden wegen Wechselwirkungen!)
Fun-Fact
Wenn man die Blüten zwischen den Fingern zerreibt, färbt sich die Haut rot → „Johannisblut“
Traditionell zur Sommersonnenwende gesammelt
Symbol für Licht, Schutz und Mut
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