Pflanzenwelt des Spätsommers

Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel ist eines der stärksten, kräftigsten Sommerkräuter.
Im Spätsommer steht sie voll im Saft, bildet Samen aus und ist ein wahres Powerpaket – für Insekten, für den Boden und für uns Menschen.
Sie ist viel mehr als ihr Ruf.


Erkennungsmerkmale

Blätter

  • tiefgrün

  • herz- bis lanzettförmig

  • gesägt

  • bedeckt mit Brennhaaren (Nesselgifthaare)

Blüten

  • unscheinbare, grünliche Rispen

  • hängen seitlich herab

  • typisch zweihäusig (männliche & weibliche Pflanzen)

Wuchsform

  • bis 2 m hoch

  • bildet große Bestände

  • wächst gerne an nährstoffreichen Standorten


Herkunft & Verbreitung

In Europa heimisch – seit jeher Begleiter menschlicher Siedlungen.
Typisch für:

  • Kompostplätze

  • Waldränder

  • Uferbereiche

  • alte Hofstellen

  • Stickstoffreiche Böden


Standort & Boden

  • nährstoffreich

  • humos

  • frisch bis feucht

  • sonnig bis halbschattig

Gärtnerwissen:
Brennnesseln zeigen fruchtbare, gesunde Böden an.


Ökologische Bedeutung

  • eine der wichtigsten Insektenpflanzen Europas

  • Futterpflanze für über 50 Schmetterlingsarten (u. a. Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs)

  • hervorragende Bodenverbesserin (Stickstoffspeicherung)

  • Samen & Blätter → wertvolle Tiernahrung

  • dichte Bestände als Schutzraum für unzählige Kleintiere

Aha-Moment

Die Brennhaare enthalten Acetylcholin, Histamin und Ameisensäure – die gleiche Stoffklasse, die dein Nervensystem nutzt, um Signale zu senden.
Hier zeigt sich: Pflanzen und Menschen funktionieren mit ähnlichen Molekülen.


Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung

  • Eisen

  • Kalium

  • Magnesium

  • Vitamin C & B

  • Chlorophyll

  • Kieselsäure

  • Proteine (sehr hoher Gehalt in Samen!)

Traditionell:

  • Gemüse

  • Tee

  • Samen als Kraftnahrung

  • Fasern für Stoffe und Netze

  • Brennnesseljauche als Dünger


Fun-Fact

  • Samen gelten traditionell als „Wildkräuter-Energiebooster“

  • Fasern wurden früher zu Stoffen verarbeitet → „Nesselstoff“

  • Brennnesseln sind ein echtes „Schmetterlings-Kindergartenkraut“

Wilde Möhre (Daucus carota)

Die Wilde Möhre ist eine botanische Schönheit des Spätsommers.
Ihre filigranen weißen Dolden erinnern an Spitzengewebe – und gleichzeitig ist sie die Urform unserer heutigen Gartenmöhre.


Erkennungsmerkmale

Blüten

  • weiße, breite Dolden

  • oft mit einem dunklen Punkt in der Mitte

  • feine, leicht gewölbte Struktur

  • später → „Neststadium“ (zusammenklappende Dolde)

Blätter

  • fein gefiedert

  • stark nach Möhre duftend beim Zerreiben

  • filigran, zart grün

Wuchsform

  • 30–120 cm hoch

  • zweijährig

  • bildet im ersten Jahr eine Blattrosette


Herkunft & Verbreitung

In Europa heimisch, typische Art der:

  • Wiesen

  • Böschungen

  • Wegränder

  • Brachflächen

  • Magerstandorte

Unsere Kultursorten stammen von ihr ab.


Standort & Boden

  • sonnig

  • eher mager

  • trocken bis frisch

  • kalkliebend

  • liebt ungestörte, artenreiche Wiesen

Gärtnerwissen:
Die Wilde Möhre fördert die Vielfalt – sie wächst gerne in Blütenwiesen und zieht Insekten an.


Ökologische Bedeutung

  • starkes Insektenmagnetkraut

  • Nahrung für Wildbienen, Schwebfliegen, Käfer, Falter

  • Raupenpflanze für den Schwalbenschwanz (!)

Aha-Moment

Der dunkle Punkt in der Dolde imitiert eine kleine Fliege – das lockt weitere Insekten an.
Pflanzen tricksen – und kommunizieren visuell.
Auch dein Gehirn reagiert auf die Illusion von Bewegung besonders stark.


Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung

  • ätherische Öle

  • Carotinoide (in der Wurzel)

  • Flavonoide

  • Bitterstoffe

Traditionell:

  • junge Wurzeln als Gemüse (mild, aromatisch)

  • Samen als Gewürz

  • Tee aus Blättern oder Blüten (würzig, krautig)


Fun-Fact

  • Die Wilde Möhre „schließt“ ihre Dolde im Herbst wie ein kleines Nest

  • Unsere Karotte ist eine Kulturkreuzung aus verschiedenen Wildformen

  • Schwalbenschwanz-Raupen lieben sie – ein echter Falter-Superstar

Wegerich – Spitzwegerich & Breitwegerich (Plantago lanceolata & Plantago major)

Der Wegerich begleitet uns Menschen seit der Steinzeit.
Er wächst an Wegen, Plätzen und sogar zwischen Pflastersteinen – immer dort, wo wir laufen.
Im Spätsommer stehen seine Blütenähren hoch, und die Pflanzen tragen die volle Kraft des Sommers in sich.


Erkennungsmerkmale

Spitzwegerich (P. lanceolata)

  • schmale, lanzettliche Blätter

  • deutliche Blattnerven

  • lange, elegante Blütenähren mit weißen Staubgefäßen

  • wirkt „zierlicher“

Breitwegerich (P. major)

  • breite, ovale Blätter

  • sehr robust

  • niedrig wachsend

  • dickere Blütenähren

  • trittfest & extrem widerstandsfähig

Gemeinsam

  • bodennahe Rosetten

  • markante Blattnerven

  • Samenstände im Spätsommer gut sichtbar

  • bei Verletzung → „pflasternde“ Blätter


Herkunft & Verbreitung

Beide Arten sind in Europa heimisch.
Typisch für:

  • Wege & Pfade

  • Wiesen

  • Wegränder

  • Gärten

  • verdichtete Böden

Wegerich gilt als klassisches Kulturfolgerkraut.


Standort & Boden

  • sonnig bis halbschattig

  • trittfest

  • frisch bis mäßig trocken

  • nährstoffreich

Gärtnerwissen:
Wo Menschen laufen, wächst Wegerich – daher sein Name („der zum Wege gehört“).


Ökologische Bedeutung

  • wichtige Pollenquelle für viele Insekten

  • Samen für Vögel

  • robuste Bodenstabilisatoren

  • unverzichtbar für artenreiche Wiesen

Aha-Moment

Wegerich enthält Aucubin, ein Stoff, der in der Pflanze Zellen schützt –
und bei uns als reizlindernder Bestandteil in vielen Kräutermischungen dient.
Ein Naturstoff, der sowohl Pflanze als auch Mensch schützt.


Inhaltsstoffe & traditionelle Nutzung

  • Aucubin

  • Schleimstoffe

  • Gerbstoffe

  • Vitamin C

  • Kieselsäure

Traditionell:

  • „Pflasterblatt“ bei kleinen Kratzern

  • Tee

  • Hustenzubereitungen

  • Wildkrautküche (jung!)


Fun-Fact

  • Wird „Fußspurenkraut“ genannt – folgt Menschen überallhin

  • Blätter zeigen so robuste Nervenstrukturen, dass sie kaum zerreißen

  • In der Mythologie galt Wegerich als Schutzkraut der Reisenden

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